Testbericht – BMW M135i

Die BMW M GmbH hat uns und ihren Fans in der jüngeren Vergangenheit einiges zugemutet: Zweitonner, Allradler und Dieselmotoren zum Beispiel. Oder auch diesel- und allradbetriebene Zweitonner. Doch nun gibt es wieder ein Gefährt, das dem traditionellen M-Genpool entspricht und relativ leicht, relativ stark und relativ bezahlbar ist. Doch kann der BMW M135i die guten Voraussetzungen auch in Fahrdynamik ummünzen? Ein Fall für unsere Wertungsprüfung!

Warm Up

Manchmal hilft es, einfach mal zurück zu rudern. Den imaginären Reset-Knopf zu drücken und sich auf´s Wesentliche zu besinnen. Sich darüber klar zu werden, dass man mit Zwei-Tonnen-Monstren – und mögen sie auch noch so stark sein – kaum ein Sportfahrer-Herz für sich gewinnen kann. Es hat offenbar „klick“ gemacht bei der BMW M GmbH, nachdem sie uns seit geraumer Zeit automobile Auswüchse vom Schlage eines X5 M und X6 M, M5 oder M6 oder M550d xDrive… nun ja, beschert hat. Dass es anders – und in diesem Sinne wohl eindeutig besser – geht, hat bereits das so wundervolle 1er M Coupé bewiesen. Und soll nun auch der neue BMW M135i zeigen, der zwar nur unter der Flagge der Garchinger Sub-Division „M Performance“ fährt, aber trotzdem feinste Zutaten mitbringt. Er scheint sogar gierig danach zu lechzen, von uns über den Wachauring geprügelt zu werden, damit er zeigen kann, was seine bayerischen Erzeuger zu leisten imstande sind. Also tun wir dem BMW M135i den Gefallen und scheuchen ihn durch das erbarmungslose Testprozedere unserer Wertungsprüfung.

Längs

An motorischem Druck sollte es dem BMW M135i schon mal nicht mangeln angesichts von einem Twinscroll-Turbo, drei Litern Hubraum und – schön, dass es so etwas in der Kompaktklasse (noch) gibt – sechs Zylindern. Und tatsächlich beißt das aufgeladene Sixpack zu wie Mike Tyson, als er Evander Holyfields Ohr in Mundnähe hatte. Der BMW M135i setzt Gasbefehle verzögerungslos um, muss dabei – wenn überhaupt -einen Turbospalt überwinden und zieht bärig über das gesamte Drehzahlband bis zum Begrenzer durch. Wobei der BMW M135i ein Drehmomentplateau präsentiert, das irgendwo im Himalaya angesiedelt sein muss. Oder wie es unser Testpilot Markus Gedlich formuliert: „Das Thema Turbomotoren kann BMW derzeit am besten.“ Spricht´s und bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Denn den hervorragenden subjektiven Eindruck kann der BMW M135i auch mit objektiven Daten untermauern. Mit glatten fünf Sekunden von Null auf Hundert verfehlt er die Werksangabe nur um ein Zehntel, auch 18,3 Sekunden von Null auf 200 km/h sind für ein 320 PS-Auto eine echte Ansage. Schluss ist wie gehabt bei abgeregelten 250 km/h, die der BMW M135i aber äußerst souverän in die linke Spur drückt. Apropos souverän: Die Achtgang-Sportautomatik nimmt die Gänge spontan an, schaltet sehr schnell und gibt Zwischengas beim Herunterschalten. Da bleibt wirklich kein Wunsch offen – auch nicht an ein Doppelkupplungsgetriebe, geschweige denn an das ebenso ehrwürdige wie ruppige SMG mit Drivelogic.

Wahre Werte

Um dieses kommen wir auch in dieser Rubrik nicht herum. Vom Fleisch fällt der BMW M135i mit seinen 1,5 Tonnen Leergewicht sicher nicht, aber zumindest reduzieren die Garchinger Ernährungsberater den Wohlstandsspeck peu a peu. Allein dafür gebührt ihm Respekt, doch in seiner Gesamtheit verkörpert er ziemlich genau das, was wir uns unter einem M Performance-Modell vorstellen. Und schließlich ist – um es ja nicht zu vergessen – der Ober-1er nun endgültig der einzige Kompakte mit sechs Zylindern und Hinterradantrieb. Danke dafür, lieber BMW M135i!

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